1. „Trauer hat eine festgelegte Dauer.“
Der Mythos: Nach sechs Monaten oder spätestens einem Jahr sollte die Trauer vorbei sein.
Die Wahrheit: Trauer hat kein Ablaufdatum. Für manche Menschen dauert es Monate, für andere Jahre, bis sie ihren Verlust in ihr Leben integriert haben. Der Schmerz kann in Wellen kommen – auch lange nach dem Verlust.
2. „Trauer verläuft in klar definierten Phasen.“
Der Mythos: Trauernde durchlaufen nacheinander Phasen wie Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz.
Die Wahrheit: Die Trauerphasen sind eine hilfreiche Orientierung, aber nicht jeder Mensch erlebt sie in derselben Reihenfolge oder in gleicher Intensität. Trauer ist ein individueller Prozess, der nicht linear verläuft.
3. „Es ist besser, stark zu bleiben und nicht zu weinen.“
Der Mythos: Wer weint, zeigt Schwäche und belastet andere.
Die Wahrheit: Tränen sind eine natürliche und gesunde Reaktion auf Verlust. Gefühle zuzulassen, ist ein wichtiger Teil der Heilung. Stark zu sein bedeutet nicht, Emotionen zu unterdrücken.
4. „Ablenkung ist das Beste gegen Trauer.“
Der Mythos: Wenn man beschäftigt bleibt, wird der Schmerz schneller vergehen.
Die Wahrheit: Ablenkung kann kurzfristig helfen, aber die Trauer zu vermeiden, verzögert oft den Heilungsprozess. Es ist wichtig, sich bewusst mit den Gefühlen auseinanderzusetzen, um langfristig Frieden zu finden.
5. „Kinder trauern nicht wie Erwachsene.“
Der Mythos: Kinder verstehen den Tod nicht richtig und brauchen daher keine Trauerbegleitung.
Die Wahrheit: Kinder trauern auf ihre eigene Weise, oft in kürzeren, intensiveren Momenten. Sie benötigen klare, kindgerechte Erklärungen und Unterstützung, um ihre Gefühle zu verarbeiten.
6. „Man sollte in der Trauerphase keine großen Entscheidungen treffen.“
Der Mythos: Trauernde sind zu emotional, um rationale Entscheidungen zu treffen.
Die Wahrheit: Es stimmt, dass Trauer die Konzentration und Entscheidungsfähigkeit beeinflussen kann. Doch manche Entscheidungen, z. B. organisatorische oder finanzielle, sind unvermeidlich. Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen und Unterstützung von Vertrauenspersonen einzuholen.
7. „Man muss den Verstorbenen loslassen, um weiterleben zu können.“
Der Mythos: Trauer bedeutet, den Verstorbenen hinter sich zu lassen.
Die Wahrheit: Trauer ist kein „Loslassen“, sondern eine Neugestaltung der Beziehung zum Verstorbenen. Erinnerungen, Rituale oder das Weitertragen des Erbes des Verstorbenen sind gesunde Wege, um die Verbindung zu bewahren.
8. „Wenn man nach aussen stark wirkt, geht es einem gut.“
Der Mythos: Menschen, die nicht über ihre Trauer sprechen, haben die Situation gut verarbeitet.
Die Wahrheit: Manche Trauernde ziehen sich zurück oder wirken gefasst, obwohl sie innerlich leiden. Es ist wichtig, sensibel nachzufragen, wie es ihnen wirklich geht, und sie zu unterstützen.
9. „Zeit heilt alle Wunden.“
Der Mythos: Mit der Zeit wird alles von selbst besser.
Die Wahrheit: Zeit allein heilt nicht – es kommt darauf an, wie Trauernde die Zeit nutzen, um den Verlust zu verarbeiten. Unterstützung durch Freunde, Familie oder professionelle Begleitung kann dabei entscheidend sein.
10. „Trauer ist etwas, das man überwinden muss.“
Der Mythos: Trauer ist ein Hindernis, das es zu bewältigen gilt, um wieder „normal“ zu sein.
Die Wahrheit: Trauer ist keine Krankheit, die geheilt werden muss, sondern ein natürlicher Ausdruck von Liebe und Verlust. Sie verändert sich im Laufe der Zeit, aber die Erinnerung und die Verbindung zum Verstorbenen bleiben ein Teil des Lebens.
Wie Trauer wirklich ist
Trauer ist ein individueller Prozess, der für jeden Menschen anders aussieht. Es gibt keine universellen Regeln oder richtigen Wege, um mit Verlust umzugehen. Das Wichtigste ist, Trauer zuzulassen und sich nicht durch gesellschaftliche Erwartungen unter Druck setzen zu lassen.
Für Freunde und Angehörige von Trauernden gilt: Seien Sie präsent, geduldig und offen. Oft ist Zuhören und Dasein das Wertvollste, was Sie bieten können.
Trauer ist ein Teil des Lebens – und durch die Akzeptanz und Unterstützung wird aus dem Schmerz oft eine tiefe Verbindung zu den Erinnerungen und der Liebe, die bleibt.
Gerne stehen wir Ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung und begleiten Sie in dieser schwierigen Phase.